szmmctag

  • Die unwahrscheinlichen Erlebnisse im Leben von... Frank Elstner

    SO 20.07.2014 | 22.15 Uhr | WDR

    Fangen wir mal mit dem Positiven an: Der WDR traut sich mal, was Neues zu machen. Mal keine Hitlisten und keine Quizshow, auch kein neuer Markencheck und kein Nachmittags-Gute-Laune-Magazin. Der WDR hat sich eine neue Comedyshow getraut.
    Und sie hatte sogar gute Momente.
    Die neue Reihe heißt "Die unwahrscheinlichen Erlebnisse im Leben von...", und bei der Premiere drehte sich alles um Frank Elstner, der auch Teil der Sketche war.
    Da gab es eine durchaus witzige Parodie der "Montagsmaler" und einen ganz netten Song am Ende, dass ja das Fernsehen in Deutschland gar nicht so schlecht sei. Frank Elstner zeigt auch, dass der Humor hat und sich selbst auf die Schuppe nimmt. Samuel Koch hat einen Cameo-Auftritt als Fernsehshow-Sicherheitsexperte. Ja, das ist ein Lacher! Und überhaupt macht das Ganze vom Stil her durchaus Spaß.
    Die Reihe stammt von Jan Böhmermann und der Bild- und Tonfabrik - beide haben zum Beispiel "Roche und Böhmermann" und das "Neo-Magazin" ins Leben gerufen. Und also die neue WDR-Comedy.

    So ganz gut funktioniert hat das aber trotzdem nicht, und da sind wir bei den negativen Punkten. Die Sketche sind mitunter viel zu lang, die Witze oft ganz schön ausgelutscht. Die Show soll irgendwie anarchomäßig sein, gleitet aber viel zu oft ins Trutschige um, und da wird es dann leider auch langweilig. Oft sind die Gags vorhersehbar und werden so in die Länge gezogen, dass der Finger doch mal kurz nervös über den Videotext- und Umschalttasten schwebt.

    Die sehr guten Ansätze sind erkennbar in der neuen Show. Im Herbst sollen fünf weitere Folgen produziert werden, und dafür sollen die Schreiber sich dann doch noch einiges einfallen lassen.

  • Schlag den Star: Michael Wendler vs. Axel Stein

    SA 19.07.2014 | 20.15 Uhr | ProSieben

    Michael Wendler muss ein Masochist sein. Der Schlagersänger scheint sich allen Schmähungen zu stellen, die sich ihm bieten. Er blamierte sich mit seiner Dokusoap. Er blamierte sich im Dschungel. Er blamierte sich beim Promidinner.
    Aber das reicht ihm nicht. Angeblich zieht er bald ins "Promi Big Brother"-Haus, und am Sonnabend war er zu Gast bei "Schlag den Star" auf ProSieben.

    Um es kurz zu machen: Er hat verloren, und das grandios mit 1:27 gegen den Schauspieler Axel Stein. Und immer, wenn der Wendler doch mal was wusste oder richtig machte, buhte ihn ein Teil des Publikums aus. Moderator Stefan Raab hatte während der kompletten Show fast nur Häme für Wendler übrig.
    Nicht, dass er das verdient hätte, aber in "Schlag den Star" konnte einem der Wendler fast schon wieder leidtun. Denn es ist immer lustiger, wenn sich der Wendler selbst blamiert, als wenn er mutwillig von anderen niedergemacht wird.

    Aber der Wendler biss die Zähne zusammen und machte weiter bis zum bitteren Ende. Aber vielleicht macht es ihm ja auch Spaß, sich ausbuhen zu lassen...

  • Henssler hinter Gittern

    MI 16.07.2014 | 0.30 Uhr (Do.) | RTL

    Entzückend. Marcellinus ist Kreditbetrüger, hat einen Schaden von mehr als einer Million Euro angerichtet und sitzt eshalb im Knast. Und jetzt darf er bei RTL in der Primetime Pfannkuchen backen. Nico steht so rum und hat keinen Bock drauf, schließlich hat er ja auch so keinen Bock auf Arbeiten, er ist ein Dieb und sitzt deshalb im Knast. Pfannkuchen findet er doof.

    Für die neue Dokureihe "Henssler hinter Gittern" (montags um 20.15 Uhr und in der Wiederholung am späten Mittwochabend) kocht Steffen Henssler nun mit Verbrechern. Totschläger, Intensivtäter und andere Knastinsassen sind nun Teil einer Dokusoap. Sie drehen mit einem RTL-Team, und keiner weiß, welche Szenen echt sind, und welche nachgedreht. Da stehen sie dann mal auf dem Hof und diskutieren mit ihrem Wärter - ob die Dialoge wahrhaftig sind, bleibt unklar.
    Aber warum müssen Knastleute nun zu Fernsehstars bei RTL werden? Warum muss man solchen Menschen eine Plattform bieten? Verbrecher sollen im Knast für ihre Taten büßen, sie sollen arbeiten, die Zeit irgendwie rumbringen - ich finde aber nicht, dass sie nun für RTL und mit Steffen Hennsler kochen müssen.

  • FIFA-WM 2014 live: Deutschland feiert die Weltmeister

    DI 15.06.2014 | 10.05 Uhr | Das Erste

    Wenn Steffen Simon in der ARD minutenlang live den Anflug einer Maschine auf den Flughafen Berlin-Tegel kommentiert, dann muss das etwas sehr Außergewöhnliches sein. Wenn Millionen Menschen sehen wollen, wie der Flieger dann tatsächlich landet - immerhin etwas, was in Tegel jeden Tag dutzendfach passiert -, dann müssen an Bord sehr prominente Menschen sitzen.
    Nach dem Sieg der Fußball-Weltmeisterschaft sind die deutschen Fußballer wieder dahoam angekommen, und Das Erste hat sein Vormittagsprogramm freigeräumt, um zu übertragen, wie die Mannschaft durch Berlin gefahren wird.

    Nun könnte man sagen: Boah, ist das langweilig. Es ist aber nicht langweilig. Allein vor dem Brandenburger Tor standen hunderttausende Menschen, um der Mannschaft und dem Pokal zuzujubeln.
    Und die WM-Helden tanzten, sie jubelten, sie singen, sie waren ein bisschen peinlich und absolut siegesbetrunken.

    Da stehen also lauter Männer auf einer riesigen Bühne und treiben Unsinn. Peinlich? Unangenehm?
    Mancher mag das so sehen. Aber ich gönne ihnen diese Peinlichkeit und sehe sie überhaupt nicht negativ. Wochenlang haben sie trainiert, gekämpft, gespielt - und am Ende gesiegt. Der Druck ist weg, jetzt wird nur noch gefeiert.

    Aber dann ist da noch die "Gaucho-Affäre"? Die Gruppe um Miroslav Klose sang: “So gehen die Gauchos, die Gauchos gehen so” und “So gehen die Deutschen, die Deutschen gehen so”. Die Gauchos geduckt, die Deutschen aufrecht.
    Die Spieler würden ihr Image verspielen, die weltoffene, tolerante Nation sei im Eimer, so schrieben einige Medien. Aber meine Güte - da hat eine Mannschaft gewonnen, die andere verloren. So ist das im Fußball, und die mannschaft hat in den vergangenen Tagen immer wieder bewiesen, wie weltoffen sie ist, immer wieder haben sich alle bedankt, wie toll es doch in Brasilien war. Da muss man den zugegebenermaßen nicht sehr einfallsreichen Song nun auch nicht überbewerten und deshalb gleich die ganze WM in die Tonne treten.

    Die Übertragung überzog übrigens um zwei Stunden, da die Anfahrt der Mannschaft zum Brandenburger Tor erheblich länger dauerte als geplant. Die Bühnenshow übertrugen ARD und ZDF parallel, da war nach 13 Uhr leider kein Platz mehr für Politik. Die ARD schob das "Mittagsmagazin" zu tagesschau24 ab, das ZDF verzichtete ganz. Muss eigentlich auch nicht sein. Ein übertragender Sender hätte völlig gereicht.

  • FIFA-WM 2014 live - Finale: Deutschland - Argentinien

    SO 13.07.2014 | 20.15 Uhr | Das Erste

    Das ist die Fernsehnacht des Jahres! Deutschland ist Fußball-Weltmeister 2014! Nach einem nervenaufreibenden WM-Finale gegen Argentinien zeigt Das Erste viele Minuten lang Jubelbilder aus Rio de Janeiro. Und man kann sich gar nicht sattsehen.
    Jetzt zählt es nicht mehr, dass so manches Spiel hier und da etwas zäh verlief. Jetzt zählt so manches patzige Interview nicht mehr. Jetzt zählt nur noch: Wir haben den Pokal und den vierten Stern.

    Die ARD hat deshalb gleich mal das komplette Nachtprogramm abgesagt. Bis 12 Uhr am Montag wird es wohl durchgehend nur rund um die WM gehen. Nachts läuft gleich noch mal das Finale, das "Morgenmagazin" wird den Jubel fortsetzen, und gleich danach gibt es die zweite Wiederholung des Finales.
    Aber 18 Jahre nach dem letzten EM-Titel und 24 Jahre nach dem letzten WM-Titel darf man auch gern mal eine Weile austicken.

  • radioeins-Wetter: Freundlicher Wettermix

    SA 12.07.2014 | 14.03 Uhr | radioeins

    Irgendwas muss bei den Wetterfröschen am Sonnabend gewaltig schiefgelaufen sein. Während radioeins vom rbb im Wetterbericht am Nachmittag einen freundlichen Wettermix mit Sonne und Wolken ansagte, befanden sich Teile von Oranienburg, Germendorf und die Umgebung in einem sintflutartigen Regen, der einige Straßen unfahrbar werden und Keller volllaufen ließ. Und während im radioeins-Wetterbericht unbeirrt von 20 bis 24 Grad gesprochen wurde, herrschten in Kremmen zu diesem Zeitpunkt gerade mal 15 Grad.

    Erst ein Hörer scheint dem rbb mitgeteilt zu haben, dass das Wetter nicht ganz dem entspricht, was da im Radio verkündet worden ist. Denn plötzlich tauchte im Wetterbericht eine halbe Stunde danach die Regenmeldung auf - mit Verweis auf einen Hörerhinweis. In den verlesenen Aussichten des Wetterdienstes war dagegen von Starkregen weiter nichts zu hören. Wusste man beim Wetterdienst nichts vom Starkregen? Waren die verkündeten Daten veraltet?

    Aber offenbar muss bei radioeins oder auch beim Wetterdienst jemand hellhörig geworden sein, denn wieder ein wenig später hörte sich der Wetterbericht ganz anders an, dann tauchte sogar eine Unwetterwarnung für den Barnim und Märkisch-Oderland auf. Den Leuten in Oberhavel hätte es vermutlich auch etwas geholfen, wenn sie vorher vom aufkommenden Unwetter etwas gehört hätten - und nicht einen freundlichen Sonne-Wolken-Mix.

    In Klaistow sind am Sonnabendnachmittag übrigens bei einem schweren Gewitter fünf Menschen durch einen Blitzschlag verletzt worden. Vielleicht hätte man auch in Klaistow schneller reagieren können, wenn der Wetterdienst gewusst hätte, dass Unwetter drohen. Oder ist "freundlicher Sonne-Wolken-Mix" der neue Code für "Wetterkatastrophe"?

  • Tagesschau: Urlaub für Stofftiere

    FR 11.07.2014 | 11.00 Uhr | tagesschau24

    Japaner haben keine Zeit für Urlaub. Und kein Geld. Deshalb schicken sie ihre Stofftiere in den Urlaub.
    Klingt irre? Ist es auch. So sind die Japaner.
    Die "Tagesschau" berichtete in ihrem Nachrichtenkanal am Freitagvormittag von einer jungen japanischen Frau, die ihr Geld damit verdient, dass sie mit den Stofftieren anderer Leute verreist. Unterwegs macht sie lauter Fotos, die eben jene Stofftiere vor irgendwelchen Sehenswürdigkeiten zeigt.

    Bekloppt. Offenbar scheinen die Japaner doch nicht zu wenig Kohle zu haben, denn dass so ein nichtsnutziger Irrsinn boomt, beweist eindeutig, dass die Kohle ja doch noch da sein muss, wenn man sie dafür ausgeben kann.
    Da nehme ich das Geld lieber, um selbst zu verreisen. Und mein Stofftier darf sogar mit. Wenn er will.

  • Bahnhof für Bio

    DO 10.07.2014 | 23.35 Uhr | WDR

    Ende der 70er-Jahre sorgte Alfred Biolek mit einer ganz besonderen Musiksendung für Furore: "Bios Bahnhof". Speziell war nicht nur das Ambiente - ein echtes Bahndepot in Köln - sondern auch der Inhalt. Er bestand aus so ziemlich allem, was das Musikbusiness hergab.

    Zum 80. Geburtstag von Alfred Biolek gratulierte der WDR am Donnerstagabend mit einer Sendung, die zu Bios 70. produziert wurde - einer Hommage an "Bios Bahnhof".
    Dort traten nicht nur die großen Popstars auf. Da gab es dann schon mal eine Opernarie oder einen klassischen Tanz, gefolgt von einer Rockgruppe und einer Comedymusikeinlage.
    Würde so heute nicht mehr funktionieren - und wenn man den Gesprächen über die Show genauer hinhört, müssen die Einschaltquoten auch damals nicht immer die Besten gewesen sein. Aber rund um das Jahr 1980 konnte sich das Team rund um Biolek das noch trauen. Konkurrenz gab es kaum, an Privatsender war noch nicht zu denken, Videorecorder gab es kaum.
    Und für Spartensender, wo man so etwas abseits aller großen Einschaltquoten machen könnte, wäre so eine Show sicherlich zu teuer.

    So ist "Bahnhof für Bio" im WDR eine Erinnerung an Fernsehzeiten, die es so wohl nicht mehr gibt. Und eine Mahnung an die Fernsehmacher, sich im Unterhaltungsbereich mehr zu trauen.

  • Der Rassist in uns

    DO 10.07.2014 | 22.15 Uhr | zdf_neo

    Blauäugige sind weniger wert als Braunäugige. Blauäugige sind dumm. Blauäugige suchen die Schuld immer bei anderen. Blauäugige sind egoistisch.

    Klingt rassistisch? Das soll es auch. "Der Rassist in uns" zeigte, wie einfach die meisten Menschen zu manipulieren sind. Wie man sie auf bestimmte Merkmale einschwören kann. Wie man sie auf andere Menschen ansetzen kann. Wie man Andersartige unterdrücken kann, und wie willig die Menschen da mitmachen, welche Dynamiken da entstehen.
    Ganz klar: Auf zdf_neo lief am Donnerstagabend die Doku des Jahres. Sie lief nicht im ZDF-Hauptprogramm, wo Maybrit Illner gerade über Fußball schwadronierte, sondern im Spätprogramm des Spartensenders.

    In der Doku ging es um einen Workshop, bei dem die Teilnehmer, ohne dass sie es wussten, gezeigt bekommen sollten, wie das mit dem Rassismus funktioniert.
    Von Anfang an wurden die blauäugigen Teilnehmer schlecht behandelt, diskriminiert und schikaniert. Die Braunäugigen dagegen wurden priviligiert behandelt und gegen die anderen eingeschworen. Egal, was der Workshopleiter erzählte, es hämmerte sich in die Hirne der Braunäugigen ein.

    Zu beobachten, wie sich beide Seiten verhalten, war unglaublich spannend. Die Blauäugigen sahen sich geballter Diskriminierung ausgesetzt. Sie mussten hautnah spüren, wie fertig sie das macht, wie verunsichert, wie eingeschüchtert sie werden. Was für eine psychische und körperliche Qual das ist. Und die Braunäugigigen, wie es ist, zu dominieren, zu einer Gruppe zu gehören, die andere erniedrigt.
    Und das alles innerhalb von nur zwei Stunden, so lange dauerte der Workshop.
    Nur wenige scherten aus und ließen das alles nicht mit sich machen, waren entsetzt, was da geschieht.

    "Der Rassist in uns" ist ein extrem lehrreicher Film, der mehr Zuschauer verdient, als die 200.000, die sich am Donnerstagabend zu zdf_neo verirrten. So etwas sollte auch in Schulen gezeigt werden.

  • Maybrit Illner: Alles oder nichts?

    DO 10.07.2014 | 22.15 Uhr | ZDF

    Wir leben momentan in einer politisch brisanten Zeit.
    Der Umfang der US-Spionage in Deutschland nimmt immer erschreckendere Ausmaße an. In Israel droht ein Krieg. Natürlich die geplante Maut. Und immer schwelt der Russland-Ukraine-Konflikt.

    Aber auf politik hat das ZDF momentan keine Lust. Alle reden über Fußball, und deshalb sehen die Verantwortlichen beim Zweiten auch keinen Anlass, den Zuschauern andere wichtige Themen entgegenzusetzen.
    Zwar gab es am Donnerstagabend einen Polittalk im ZDF, aber Maybrit Illner stellte die Frage "Alles oder nichts?". Es ging um die Thematik: "Elf Freunde, sieben Tore, Millionen Fans, ein Finale. Geht am Sonntag der Traum vom vierten WM-Titel in Erfüllung? Halten Mannschaft und Trainer diesen Druck aus? Zählt jetzt nur noch der Titel?"

    Das ist ja wirklich packend? Frau Illner lid sich also ein paar fußballexperten ein, um ein bisschen zu fachsimpeln, ob wir denn eventuell den Weltmeistertitel gewinnen. Orakelei statt Politik im Polittalk. Belanglosigkeiten statt Fakten.
    Es ist ja verständlich, dass das ZDF in der völlig zurecht stattfindenden WM-Euphorie etwas vom Kuchen abhaben will, aber eigemtlich sollte es auch Aufgabe des öffentlich-rechlichen Senders sein, uns klarzumachen, dass gerade auch andere Themen wichtig sind. Aber da hat das ZDF versagt.

    Im Anschluss an den Fußballtalk bei Maybrit Illner lief übrigens Markus Lanz. Mit einem Fußballtalk.

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